Risiko Cholesterin
 

Aus: Koch, Michael C.: Risiko Cholesterin - Faltblatt - Hrsg. WDR - Filmbeitrag WDR III Telepraxis 05.Juli 1995
Trotz immer wiederkehrender Berichte in der Presse ist der Hauptrisikofaktor für die Gefäßverkalkung des Menschen das Cholesterin. Viele Langzeituntersuchungen konnten zeigen, dass ab bestimmten Cholesterinwerten das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich ansteigt. Das Cholesterin umfasst zwei verschiedene, in ihrer Wirkung gegensätzliche, Unterklassen, zum einen das die Verkalkung fördernde - LDL - und zum anderen das die Verkalkung hemmende - HDL Cholesterin.
Je niedriger das LDL und je höher das HDL Cholesterin, um so geringer ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu erkranken und umgekehrt.
Als Ursache für eine Vermehrung des Cholesterins im Blut ist das Zusammenwirken innerer (Erbanlagen) und äußerer Faktoren (Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Stress, Bewegungsmangel etc.) anzusehen. Die Folge dieser inneren Faktoren ist ein Stoffwechseldefekt in der Leber. Der Leberzelle fehlen in diesen Fällen Steuerungsmechanismen (Rezeptoren), die für einen ausgeglichenen Cholesterinauf- und abbau sorgen. Da 80 % des Cholesterins durch diese inneren Faktoren bedingt sind, erklärt dies auch, dass sich trotz Einhalten einer cholesterinarmen bzw. cholesterinlosen Kost bei vielen betroffenen Patienten noch erhöhte Cholesterinwerte finden. Je stärker der Steuerungsfehler bei diesen Betroffenen in der Leber ist, je höher ist auch das Cholesterin und insbesondere das LDL Cholesterin.
Neben dem Cholesterin gibt es noch weitere Blutbestandteile, die eine Gefäßverkalkung fördern können. Dies sind

  • das sogenannte Lp "a", ebenfalls ein Fettkörper,
  • dessen Höhe auch durch Erbanlagen bedingt ist,
  • das Fibrinogen, ein Eiweißstoff, der zur Blutgerinnung erforderlich ist.

  • Von diesen beiden Stoffen ist das Lp "a" weder durch Diät noch durch Medikamente zu beeinflussen.

    Behandlung der Hypercholesterinämie

    1. Ernährungsumstellung und Diät
    Die Behandlung eines erhöhten Cholesterinspiegels richtet sich zunächst gegen die äußeren Faktoren.
    So ist:

  • Bestehendes Übergewicht konsequent zu reduzieren
  • Rauchen konsequent zu reduzieren
  • Bewegungsmangel durch regelmäßig sportliche Aktivitäten abzubauen und
  • eine cholesterinarme Ernährung einzuhalten.

  • Wie sollte nun eine cholesterinarme Ernährung am sinnvollsten aussehen?
  • Verzichten Sie auf den Genuss von Eiern.
  • Verzichten Sie auf Schweinefleisch und Wurst.
  • Verzichten Sie auf hochfetthaltige Milchprodukte.

  • Wie sollte nun eine cholesterinarme Diät am sinnvollsten aussehen?
  • Bei einer Diät empfiehlt es sich, eine Nährwerttabelle zu benutzen, um cholesterinhaltige Nahrungsmittel zu meiden.
  • Zu empfehlen ist eine mediterrane Kost mit einem hohen vegetarischen Anteil. Der Eiweißbedarf sollte möglichst durch sogenanntes weißes Fleisch (Geflügel) und Fischmahlzeiten gedeckt werden. Sinnvoll sind z.B. pro Woche drei bis vier vegetarische Tage, ein bis zwei Fischtage und zwei Fleischtage.
  • Auch auf versteckte Cholesterine in zusammengesetzten Nahrungs- und Genussmitteln, wie Kuchen, Pralinen, Schokolade etc. ist zu achten.
  • Die tägliche Gesamtcholesterinzufuhr sollte unter 300 mg pro Tag liegen. Ein Eidotter z.B. enthält 270 mg Cholesterin.
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    Durch eine strenge Diät ist es möglich, den erhöhten Cholesterinwert um ca. 15 % zu senken. Bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion, zunehmender körperlicher Betätigung ist in der Regel eine weitere Senkung um 5 % festzustellen. Auch zeigt eine medikamentöse Therapie ein besseres Ansprechen unter konsequenter diätetischer Lebensweise.

    2. Medikamentöse Behandlung
    Sollte trotz Einhaltung einer strengen cholesterinarmen Diät keine ausreichende Senkung des Cholesterins möglich sein, ist bei bestehenden Gefäßverkalkungen oder bei einem erhöhten Risiko eine medikamentöse Behandlung angezeigt.
    Bei der medikamentösen Therapie kommen verschiedene Stoffe zur Anwendung. Am wirkungsvollsten sind sogenannte lonenaustauscherharze sowie Cholesterinsynthesehemmer. Die lonenaustauscherharze wirken durch Bindung der Gallensäure im Dünndarm und aktivieren dadurch die Regulation des Cholesterinstoffwechsels in der Leber. Die Cholesterinsynthesehemmer führen zur Blockade der Cholesterinbildung in der Leber und führen somit zum Absinken des LDL Cholesterins. Therapieziel
    Die Europäische Arteriosklerosegesellschaft hat folgende Therapieziele für gefäßgesunde Erwachsene aufgestellt:
  • Gesamtcholesterin 200 mg%
  • HDL Cholesterin größer 40 mg%
  • LDL Cholesterin nicht 155 mg% übersteigen
  • Das Verhältnis Gesamtcholesterin zu HDL sollte 4 sein.

  • Bestehen nun weitere Risikofaktoren für eine Gefäßverkalkung (erhöhter Blutdruck, eine familiäre Belastung, das bedeutet, schon weitere Familienmitglieder sind an einer Gefäßerkrankung erkrankt) sollte das  LDL Cholesterin weniger 155 mg%
    betragen. Menschen mit schon nachgewiesenen Gefäßveränderungen, die möglicherweise auch schon einen Herzinfarkt durchgemacht haben, sollten einen
    LDL Cholesterin von unter 115 mg% anstreben. Nur bei diesem Wert ist gesichert, dass eine bestehende Gefäßverkalkung nicht weiter fortschreitet.
    Auch haben Untersuchungen ergeben, dass es dann zum Rückgang der Verkalkungen kommt.

    3. Maximale Behandlung
    Sollten sich trotz maximaler diätetischer und medikamentöser Behandlung weiter erhöhte LDL-Werte finden, ist in Abhängigkeit der jeweiligen Erkrankungssituation eine LDL-Apherese-Behandlung (Fettstoffwechseldialyse) zu erwägen. Durch diese Behandlung, die in wöchentlichen oder 14-tägigen Abständen durchgeführt wird, kann dann eine effektive und ausreichende Senkung erreicht werden. Gleichzeitig ist die Diät und medikamentöse Behandlung fortzuführen.
    Bei einer LDL-Apherese-Behandlung ist eine Senkung des LDL Cholesterins um über 50 % möglich.
    Nur durch die Apherese-Behandlung ist es möglich, das sonst nicht behandelbare Lp "a" zu entfernen. Gleichfalls wird das erhöhte Fibrinogen im Blut gesenkt.
    Die in Deutschland gebräuchlichste Apherese-Methode ist das sogenannte HELP-Verfahren. Es ist das einzige, welches die Zulassung in Deutschland und Amerika besitzt.